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Da spricht jemand etwas aus, was uns bewegt....

16.02.2026 | FAHRSCHUL-NEWSDa spricht jemand etwas aus, was uns bewegt....

Ein Kollege hat es auf den Punkt gebracht, Danke Matthias Broda!

 

Offener Brief an „unseren“ Bundesverkehrsminister

 

Wer am Führerschein spart - spielt mit Menschenleben

 

Sehr geehrter Herr Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder,

es reicht mit diesen einfachen Parolen. Es reicht mit diesem reflexartigen „Der Führerschein ist zu teuer“. Und es reicht mit politischem Aktionismus auf dem Rücken eines Berufsstandes, der täglich Verantwortung für Menschenleben trägt. Eine Fahrausbildung ist kein Sommerschlussverkauf. Sie ist kein Streaming-Abo, das man kündigt, wenn es zu teuer wird. Sie ist die Grundlage dafür, dass junge Menschen 1,5 Tonnen Stahl sicher durch den Straßenverkehr bewegen können – bei 100 km/h, im Regen, im Dunkeln, auf vollen Autobahnen. Und während Schlagzeilen produziert werden, kämpfen Fahrschulen mit Umsatzeinbrüchen von bis zu 70 %. Junge Menschen warten ab. Eltern sind verunsichert. Betriebe geraten unter Druck. Alles wegen eines Satzes:

„Die Führerscheinkosten müssen runter.“ Die Realität auf der Straße ist brutal. Die 18- bis 24-Jährigen sind seit Jahren die Hochrisikogruppe im Straßenverkehr. Ihr Unfallrisiko ist deutlich höher als das erfahrener Fahrer. Überhöhte Geschwindigkeit. Fehleinschätzung von Gefahrensituationen. Mangelnde Routine. Das sind keine Vorwürfe – das sind Fakten. Die ersten Fahrjahre sind statistisch die gefährlichsten. Genau deshalb ist Ausbildung so entscheidend. Genau deshalb braucht es intensive Praxis, erfahrene Fahrlehrer, moderne Fahrzeuge, Zeit, Geduld, Wiederholung. Wer „billiger“ ruft, muss eine ehrliche Frage beantworten: Wo soll gespart werden? An Fahrstunden? An Qualität? An moderner Sicherheitstechnik? An gut ausgebildeten Fahrlehrern? Billiger bedeutet immer: weniger von etwas. Und im Straßenverkehr bedeutet weniger schnell mehr Risiko. 

 

51 Euro pro Jahr – und wir diskutieren ernsthaft? 3.228 € kostet die Ausbildung im Schnitt. Umgerechnet auf eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 63 Jahren sind das: 51 € pro Jahr. 51 Euro. Dafür bekommt man heute nicht einmal mehr einen Wocheneinkauf für eine Familie. Aber wir diskutieren ernsthaft darüber, ob 51 € pro Jahr für lebenslange Mobilität zu viel sind?

 

Wofür wir sonst selbstverständlich zahlen:

•⁠  ⁠1.000 € für ein Smartphone – alle paar Jahre.

•⁠  ⁠40 € im Monat für Streaming-Abos – fast 30.000 € im Leben.

•⁠  ⁠3,50 € täglich für Kaffee – über 30.000 €.

•⁠  ⁠360 € jährlich für Friseurbesuche – 22.000 € im Leben.

•⁠  ⁠Eine Schachtel Zigaretten täglich – fast 90.000 € in 30 Jahren. 

•⁠  ⁠Zwei Wochen Sommerurlaub kosten schnell 1.500 € pro Person - 1.500 € × 40 Urlaube im Leben = 60.000 €

•⁠  ⁠Fitnessstudio 30 € im Monat, 30 € × 12 × 40 Jahre = 14.400 € - Für körperliche Fitness – wichtig, ja. Aber ohne Führerschein? Viele kommen nicht einmal hin.

•⁠  ⁠Hochzeit rund 15.000 Euro. Ein einziger Tag. Nicht 63 Jahre Mobilität.

 

Niemand fordert, dass Netflix billiger werden muss. Niemand verlangt staatlich gedeckelte Friseurpreise. Niemand ruft nach einem „Kaffee-Kostensenkungsprogramm“. Aber ausgerechnet die Fahrausbildung soll politisch zurechtgestutzt werden? Damals wie heute – drei Monatsgehälter: 1996 kostete der Führerschein rund drei Azubi-Monatslöhne. Heute ebenfalls rund drei. Relativ hat sich kaum etwas verändert. Was sich verändert hat, sind:

 

+35 % Fahrzeugkosten

+58 % Personalkosten

+24,8 % Preisindex Verkehr

 

Fahrschulen geben keine Fantasiepreise vor. Sie reagieren auf wirtschaftliche Realität. Wer etwas anderes behauptet, ignoriert grundlegende Betriebswirtschaft. Und was ein Unfall kostet? Ein schwerer Verkehrsunfall kostet schnell Hunderttausende Euro. Schwere Personenschäden gehen in die Millionen. Aber das Geld ist nicht das Entscheidende.

 

Was kostet ein Leben?

Was kostet ein gelähmter 19-Jähriger?

Was kostet es Eltern, ihr Kind zu verlieren?

Jede gründliche Fahrstunde ist Prävention.

Jede sauber vermittelte Gefahrenbremsung kann Leben retten. Jede Wiederholung eines Schulterblicks verhindert vielleicht den einen tödlichen Fehler. Und wir diskutieren über „zu teuer“.

 

Planbar. Vorhersehbar. Machbar. Niemand wird überraschend 18. Eltern erhalten 259 € Kindergeld im Monat – 3.108 € im Jahr.

Ein Jahr staatliche Unterstützung deckt die Ausbildung nahezu ab. Und wer sich die Ausbildung nicht leisten kann – wie soll er sich später ein Auto leisten? Versicherung? Reparaturen? 400 € Unterhalt im Monat?

Die Fahrausbildung ist der kleinste Posten in der gesamten Mobilitätskette.

Was hier wirklich passiert: Mit einfachen Forderungen wird Stimmung gemacht.

Komplexe Zusammenhänge werden auf einen Schlagwortsatz reduziert. Ein ganzer Berufsstand wird indirekt als „zu teuer“ dargestellt.

 

Das ist respektlos. Und es ist gefährlich.

 

Wir bilden junge Menschen aus, damit sie sicher ankommen. Damit andere sicher ankommen. Damit Familien nicht zerrissen werden. Eine gute Fahrausbildung ist kein Kostenproblem. Sie ist eine Investition in Sicherheit. Wer sie billigredet, redet Sicherheit billig.

Und das darf nicht unwidersprochen bleiben!

Mehr als nur Autofahren lernen: Es geht beim Führerschein doch um so viel mehr als Kupplung, Schulterblick und Verkehrsregeln.

Die Probleme liegen oft ganz woanders. Wir erwarten von Jugendlichen, dass sie im Straßenverkehr Verantwortung übernehmen – für sich selbst und für andere. Aber wann haben sie wirklich gelernt, Verantwortung zu tragen? Ein Schulsystem, das oft mehr Wert auf Auswendiglernen legt als auf Verstehen. Wenig Raum, Dinge zu hinterfragen. Wenig Raum, Fehler zu machen – und aus ihnen zu wachsen. Ein Elternhaus, das manchmal überbehütet, manchmal überfordert ist.

Eine Pubertät, die sowieso schon ein innerer Sturm ist. Gefühle, Zweifel, Unsicherheiten – und mittendrin die Frage: Wer bin ich eigentlich? Und dann sitzt dieser junge Mensch plötzlich auf dem Fahrersitz. Soll selbstständig handeln. Sekundenbruchteile entscheiden.

Fehler erkennen. Kritik annehmen. Doch viele können schwer Entscheidungen treffen, weil sie es nie wirklich durften. Sie haben Angst vor Fehlern, weil Fehler oft mit Versagen gleichgesetzt wurden. Sie fühlen sich sofort angegriffen, wenn der Fahrlehrer etwas sagt – nicht aus Respektlosigkeit, sondern aus Unsicherheit. Denn Kritik trifft dort, wo Selbstzweifel sowieso schon wohnen.

 

Motivation entsteht nicht durch Druck.

 

Selbstständigkeit nicht durch Kontrolle.

 

Und Reife nicht automatisch mit dem 18. Geburtstag. Der Führerschein ist für viele Jugendliche die erste echte Bewährungsprobe im Leben. Nicht nur im Straßenverkehr – sondern im Umgang mit Verantwortung, Kritik und sich selbst. Vielleicht sollten wir weniger fragen: „Warum stellen die sich so an?“ Und öfter verstehen: Sie lernen gerade nicht nur zu fahren. Sie lernen, erwachsen zu werden. 

Der Weg zum Führerschein ist längst nicht mehr nur das Erlernen von Gas, Bremse und Kupplung. Er ist ein Stück Erwachsenwerden, ein Meilenstein, ein Schritt in die Selbstständigkeit – und manchmal auch eine Reise voller Zweifel, Unsicherheiten und Herausforderungen. Was viele nicht sehen: Hinter jeder Fahrstunde steckt weit mehr als nur das Drehen am Lenkrad. Es braucht Verständnis für Ängste, Geduld bei Fehlern, Fingerspitzengefühl in schwierigen Momenten, Fachkompetenz in jeder Verkehrssituation und ein enormes Maß an Wissen, das verantwortungsvoll weitergegeben werden muss. Vor 25 Jahren brauchte ein Fahrschüler im Durchschnitt etwa 20 Fahrstunden. Heute sind es mindestens doppelt so viele – mit steigender Tendenz. Der Straßenverkehr ist komplexer geworden, dichter, schneller, anspruchsvoller. Die Verantwortung größer. Und genau deshalb ist diese Intensität der Ausbildung nicht übertrieben, sondern notwendig und begründet. Der Führerschein ist teurer geworden – ja. Aber er ist auch wertvoller geworden. Jede einzelne Fahrstunde ist ein Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr, zur Reife des Fahrschülers, zur Verantwortung gegenüber anderen. Und genau dafür braucht es keine „Laienausbilder“, keine halben Lösungen. Es braucht gut ausgebildete Fachleute. Menschen, die nicht nur Regeln erklären, sondern Sicherheit vermitteln. Die nicht nur prüfen, sondern begleiten. Die nicht nur ausbilden, sondern prägen. Denn am Ende geht es nicht nur um einen Führerschein. Es geht um Vertrauen. Um Verantwortung. Um Kompetenz. Es geht um Leben!

 

Matthias Broda 

Fahrlehrer aus Sachsen

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